
Dieses
Jungtier stammt nicht aus Nordrhein-Westfalen, sondern wurde in einem
Graben in Südwestfrankreich gefangen (Les Landes 2000). In
Nordrhein-Westfalen sind keine autochthonen Vorkommen bekannt und
Reproduktion wurde nur einmal im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Fotos:
Martin Schlüpmann
Die Sumpfschildkröte ist weder rezent noch
(vermutlich) in neuerer historischer Zeit in NRW heimisch gewesen. Alle
Nachweise sind mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Aussetzungen zurückzuführen.
Der Fund eines Rückenpanzers in den Quellkalken von Laer bei Iburg
(Osnabrücker Land, Niedersachsen) stammt
aus der nacheiszeitlichen Wärmezeit (Krefft 1955) und ist daher als
fossil einzustufen. Obwohl eine Reihe von Autoren auf Aussetzungen
aufmerksam machen (Glandt 1975,
Feldmann 1978, Lange 1981 u.a.) und die
Autochthonie teilweise bezweifeln, wurde die Sumpfschildkröte doch in den
Roten Listen aufgenommen (Feldmann & Glandt 1979,
Feldmann &
Geiger 1986). In der aktuellen Roten Liste (1999) haben wir die Art
konsequenterweise aus dem Arteninventar gestrichen. Dennoch sind Nachweise der
Sumpfschildkröte von großem Interesse.

Neuerdings nimmt Kinzelbach
(1988) ein autochthones
Vorkommen im Rheintal, auch am hier relevanten Niederrhein und dem Gebiet
der unteren Maas, bis in die jüngere Geschichte an bzw. schließt ein
solches nicht aus. Zumindest für den Niederrhein gibt es hierfür aber
keinerlei Funde, abgesehen von subfossilen, die geeignet wären, diese
Auffassung einwandfrei zu belegen. Das niederländische Limburg, wo auch
postglaziale Funde gemacht wurden, ist immerhin ein deutlicher
Fundschwerpunkt, der nach Kinzelbach (1988) ein autochthones Vorkommen bis
ins 20. Jahrhundert vermuten lässt. Die Auffassung wird von den Holländern
selber nicht geteilt (Sparreboom 1981, Bergmans & Zuiderwijk 1986). In
jedem Fall lohnt sich die Nachsuche im Grenzgebiet zu Provinz Limburg.
Zu bedenken ist, dass Sumpfschildkröten nachweislich
bereits im Mittelalter gehandelt (z.B. Kinzelbach 1988) und auf diese
Weise weit verschleppt wurden. Aber schon zu Zeiten der Römer dienten sie
der Ernährung. In neuerer Zeit, ab Ende des letzten Jahrhunderts,
besonders aber vor und nach dem zweiten Weltkrieg waren die Europäischen
Sumpfschildkröten auch als Terrarien- und Aquarientier geschätzt und ein reger Handel war allerorten festzustellen. Aussetzungen lassen sich
bis um die Jahrhundertwende verfolgen, z.T. mit der Absicht gezielter
Ansiedlung. Erst in neuerer Zeit, nachdem die europäischen Arten geschützt
wurden, sind solche Aussetzungen erheblich zurückgegangen. Auch Nachweise
scheinen seitdem seltener zu werden.