Der Reigen, der drei bei uns heimischen Wasser-
oder Grünfrösche wirft besondere Probleme auf (vgl. auch Günther
1990, 1996). Unterschieden werden 3 Taxa:
16
Kleiner Grünfrosch (Rana lessonae)
17
Seefrosch (Rana ridibunda)
18
Teichfrosch (Rana kl. esculenta)
Der
ehemalige "Schulbuch"-Frosch Rana esculenta
ist tatsächlich nur ein Bastard, wenn auch ein sehr
erfolgreicher. Aus der Urkreuzung lessonae x ridibunda
hervorgegangen, ist er in der Lage durch Rückkreuzung mit nur jeweils
einer der Elternarten zu überleben. In einer Mischpopulation des Bastards
mit jeweils einer der beiden Elternarten, lessonae
oder ridibunda, ist das Phänomen zu beobachten, dass aus einer
Kreuzung beider, stets der Bastard hervorgeht. Gewissermaßen
"stiehlt" der Bastard den Chromosomensatz der Elternart. Der
Zusatz "klepton" steht für Dieb. Möglich ist dies, indem bei
der Gametenbildung (Bildung der Geschlechtszellen) der lessonae-Chromosomensatz
ausgeschlossen wird, sich der Bastard gewissermaßen als reiner Seefrosch verhält oder umgekehrt der
ridibunda-Chromosomensatz ausgeschaltet wird und die Bastarde sich
genetisch wie Kleine Grünfrösche verhalten.

Wasserfrösche in Kopula bei der Eiablage. Das Männchen befruchtet die
austretenden Eier. Ausschnitt aus der Tafel XIII von A. J. Rösel von
Rosenhof 1758.

Balzende
Wasserfrösche; Rhein-Sieg-Kreis. Fotos: Säglitz.
Zu allem
Überfluss treten in Mitteleuropa auch triploide Bastarde auf, zum einen
solche mit llr, zum anderen
solche mit rrl-Genom auf, die morphologisch
den jeweiligen Elternarten gleichen (llr ähnelt lessonae, rrl
ähnelt ridibunda) und sich bei der Fortpflanzung genetisch entsprechend gebärden.
Nach bisherigen Erkenntnissen fehlen in Westfalen aber triploide Tiere (Schröer
& Greven 1998).
Die Schwierigkeiten hatten auch zur Folge, dass wir
bislang nur über ein bruchstückhaftes Wissen zur Verbreitung und Ökologie
dieser Arten in unserem Land verfügen. Die Wasserfrösche (Rana
lessonae, R. ridibunda, R. klepton
esculenta) sind in Nordrhein-Westfalen noch völlig unzulänglich
untersucht. Trotz all der Probleme, die die Wasserfrösche mit sich
bringen, sollte sich niemand abschrecken lassen. Tatsächlich ist die
Bestimmung der 3 Wasserfrosch-Taxa sinnvoll und möglich (Schröer
1997), wenn auch mit einer gewissen Fehlerquelle behaftet. Akustische
und morphologische Differenzierungen sind in jedem Fall erwünscht.
Die Bestimmungsführer von Engelmann
et al. (1986) und Nöllert & Nöllert
(1992)
oder das Merkblatt des Niedersächsischen Landesverwaltungsamtes (Eikhorst
1982) bieten hierzu eine gute Handreichung. Die größte Grünfroschart
ist, soweit keine triploiden "esculenta" mit rrl-Chromosomensatz auftreten, die nach
bisherigen Erkenntnissen aber in Westfalen fehlen, anhand seiner Größe,
seiner Farbmerkmale, des kleinen Fersenhöckers und seiner Rufe (ridibunda
= der Lachende) relativ gut zu differenzieren (Rahmel 1988, Schröer 1997), ebenso sind auch die lessonae- und eculenta-Männchen
relativ sicher zu differenzieren. Fehler sind insbesondere bei Weibchen
von R. lessonae und R. kl. esculenta zu erwarten.
Zur
Unterscheidung der Wasserfrosch-Taxa siehe Rundbrief Nr. 28 April 2005
(Bestimmungshilfen: Pdf-Datei 3120 kB hier
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