Die Amphibien und Reptilien in Nordrhein-Westfalen

Teil II.2 - Die Amphibien: Froschlurche

Wasserfrösche

letzte Aktualisierung: 24.01.2009

Der Reigen, der drei bei uns heimischen Wasser- oder Grünfrösche wirft besondere Probleme auf (vgl. auch Günther 1990, 1996). Unterschieden werden 3 Taxa:

16 Kleiner Grünfrosch (Rana lessonae)

17 Seefrosch (Rana ridibunda)

18 Teichfrosch (Rana kl. esculenta)

Der ehemalige "Schulbuch"-Frosch Rana esculenta ist tatsächlich nur ein Bastard, wenn auch ein sehr erfolgreicher. Aus der Urkreuzung lessonae x ridibunda hervorgegangen, ist er in der Lage durch Rückkreuzung mit nur jeweils einer der Elternarten zu überleben. In einer Mischpopulation des Bastards mit jeweils einer der beiden Elternarten, lessonae oder ridibunda, ist das Phänomen zu beobachten, dass aus einer Kreuzung beider, stets der Bastard hervorgeht. Gewissermaßen "stiehlt" der Bastard den Chromosomensatz der Elternart. Der Zusatz "klepton" steht für Dieb. Möglich ist dies, indem bei der Gametenbildung (Bildung der Geschlechtszellen) der lessonae-Chromosomensatz ausgeschlossen wird, sich der Bastard gewissermaßen als reiner Seefrosch verhält oder umgekehrt der ridibunda-Chromosomensatz ausgeschaltet wird und die Bastarde sich genetisch wie Kleine Grünfrösche verhalten. 

Wasserfrösche in Kopula bei der Eiablage. Das Männchen befruchtet die austretenden Eier. Ausschnitt aus der Tafel XIII von A. J. Rösel von Rosenhof 1758.

  

Balzende Wasserfrösche; Rhein-Sieg-Kreis. Fotos: Säglitz.

Zu allem Überfluss treten in Mitteleuropa auch triploide Bastarde auf, zum einen solche mit llr, zum anderen solche mit rrl-Genom auf, die morphologisch den jeweiligen Elternarten gleichen (llr ähnelt lessonae, rrl ähnelt ridibunda) und sich bei der Fortpflanzung genetisch entsprechend gebärden. Nach bisherigen Erkenntnissen fehlen in Westfalen aber triploide Tiere (Schröer & Greven 1998).

Die Schwierigkeiten hatten auch zur Folge, dass wir bislang nur über ein bruchstückhaftes Wissen zur Verbreitung und Ökologie dieser Arten in unserem Land verfügen. Die Wasserfrösche (Rana lessonae, R. ridibunda, R. klepton esculenta) sind in Nordrhein-Westfalen noch völlig unzulänglich untersucht. Trotz all der Probleme, die die Wasserfrösche mit sich bringen, sollte sich niemand abschrecken lassen. Tatsächlich ist die Bestimmung der 3 Wasserfrosch-Taxa sinnvoll und möglich (Schröer 1997), wenn auch mit einer gewissen Fehlerquelle behaftet. Akustische und morphologische Differenzierungen sind in jedem Fall erwünscht. Die Bestimmungsführer von Engelmann et al. (1986) und Nöllert & Nöllert (1992) oder das Merkblatt des Niedersächsischen Landesverwaltungsamtes (Eikhorst 1982) bieten hierzu eine gute Handreichung. Die größte Grünfroschart ist, soweit keine triploiden "esculenta" mit rrl-Chromosomensatz auftreten, die nach bisherigen Erkenntnissen aber in Westfalen fehlen, anhand seiner Größe, seiner Farbmerkmale, des kleinen Fersenhöckers und seiner Rufe (ridibunda = der Lachende) relativ gut zu differenzieren (Rahmel 1988, Schröer 1997), ebenso sind auch die lessonae- und eculenta-Männchen relativ sicher zu differenzieren. Fehler sind insbesondere bei Weibchen von R. lessonae und R. kl. esculenta zu erwarten.

Zur Unterscheidung der Wasserfrosch-Taxa siehe Rundbrief Nr. 28 April 2005 (Bestimmungshilfen: Pdf-Datei 3120 kB hier laden).

links: Füße von Seefrosch und Teichfrosch mit Metatarsaltuberkel und Digitus primus (1. Zehe) (nach Mertens 1972). rechts: Darstellung der Habitusmerkmale der drei in Westfalen vorkommenden Wasserfroschgenotypen. Die Prozentangaben entsprechen der Bestimmungsgenauigkeit der einzelnen Merkmale. Männliche und weibliche Genotypen wurden zusammengefasst. Oberer Wert: Fersenprobe, mittlere Werte: Grundfärbung der Oberseite (oben) und Rückenfleckung (unten), unterer Wert: Form des Fersenhöckers. Zeichnung: Thorsten Schröer

Eine erste grundlegende Studie zu Wasserfröschen unseres Landes wurde im Rahmen einer Dissertation durchgeführt (Schröer 1997, Schröer & Greven 1998). Wichtig und wünschenswert sind neben Freilanduntersuchungen weiterhin begleitende Laboruntersuchungen. Wer noch ein Thema für seine Examens- oder Diplomarbeit sucht, könnte sich auch der Wasserfrosch-Problematik zuwenden. Generell sucht der Arbeitskreis zu diesem Themenkomplex die Unterstützung biologischer Institute. Die Grünfrösche sind überwiegend in den Niederungen verbreitet. Der größte Teil des Süderberglandes ist heute vollkommen fundfrei. Da nur wenige Analysen vorliegen, sind wir über die Verbreitung der einzelnen Wasserfrosch-Taxa in den Großlandschaften immer unzureichend informiert (Schlüpmann & Geiger 1998, 1999). In Westfalen wurden bislang überwiegend Mischpopulationen von Teich- und Kleinen Wasserfröschen und von See- und Teichfröschen gefunden. (Preywisch 1993, Glandt et al. 1988, Schröer & Greven 1998), nur in wenigen Fällen treten alle 3 Formen gemeinsam auf.

rechts: junger Wasserfrosch, vermutlich Rana kl. esculenta in einer Pfütze nördlich des Norderteich (Horn-Bad Meinberg, Kr. Lippe 3.8.1997); links: Grünfrösche müssen nicht immer grün sein. Hier vermutlich ein junger Seefrosch in eine Tongrube an der Weser (Höxter-Albaxen 10.8.1997) Fotos: Martin Schlüpmann

Nach bisheriger Kenntnis sind Seefrösche in weiten Teilen des Landes verbreitet. In Niedersachsen wurden Seefrösche vor allem in den Niederungen der großen Flüsse gefunden (Rahmel 1988), auch in Nordrhein-Westfalen ist mit solchen Verbreitungsmustern zu rechnen (vgl. Feldmann & Preywisch 1973). Besonders das Weser-, Lippe-, Niers-, Rur-, Erft- und Rheintal verdienen daher besondere Beachtung.

Eine reine lessonae-Population wurde unlängst im Siegerland nachgewiesen (siehe Fotos).

Die folgenden Fotos zeigen den Kleinen Grünfrosch (Rana lessonae) aus dem westlichen Siegerland (Plittershagen 29.6.2001). Der Kleine Grünfrosch ist zumeist grasgrün gefärbt und weist auf der Oberseite zumeist keine oder nur wenig dunkle Flecken auf. Das Männchen ist auch an der Öffnung für die Schallblase unter dem Trommelfell (linkes Foto) gut erkennbar. Fotos: Martin Schlüpmann.

Die Unterseite ist bei dieser Art nicht oder nur schwach gefleckt. Hier ein stärker geflecktes Tier. rechts: Die Oberschenkel von R. lessonae sind meist gelblich-grün gefärbt. Fotos: Martin Schlüpmann.

Der Fersenhöcker (Metatarsartuberkel) des Hinterfußes ist beim Kleinen Wasserfrosch relativ groß (im Verhältnis zur inneren Zehe; siehe auch Zeichnung oben): Länge der inneren Zehe (Digitus primus) : Länge des Fersenhöckers < 2,1 (Seefrosch > 2,3). Foto: M. Schlüpmann.

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